Design von Medienfassaden
An der Schnittstelle zwischen virtuellem und realem Stadtraum: Im Rahmen des Medienfassaden Festivals Berlin 2008 werden realisierte Medienfassaden-Projekte mit ihren technischen Hintergründen präsentiert und zukunftsweisende Entwicklungen für die mediale Kommunikation im öffentlichen Raum gezeigt.
Medienfassaden (Urban Screenings) eröffnen neue Möglichkeiten der Kommunikation im Stadtraum. Gebäude, deren Oberfläche und damit auch ihr Charakter sich permanent verändern, schaffen neue Beziehungen der Stadtbewohner zu ihrem lokalen Umfeld und laden zur interaktiven Mitgestaltung ein. Dieses Verhältnis zwischen Gebäude und Fassade stellt immer wieder eine Herausforderung für Architekten, Kulturschaffende und Fachplaner dar.
Im Mittelpunkt der Ausstellung “Medienfassaden”, die im Rahmen des gleichnamigen Festivals in Berlin stattfindet, steht das Verhältnis von digitalen Bildern und Gebäudehülle. Kurator der Ausstellung ist der Medien- und Interaktionsdesigner Gernot Tscherteu von der Media Architecture Group aus Wien. Als Leiter des Unternehmens- und Forschungsnetzwerks mediafacade.net, entwickelt er qualitativ hochwertige, integrative Systemlösungen für Medienfassaden.
In der Ausstellung im DAZ zeigt Tscherteu wie durch die Verschmelzung von architektonischen Strukturen und Displays hybride Formen entstehen, die als Medienarchitekturen bezeichnet werden. Anhand der Analyse und des Vergleiches von realisierten Projekten und innovativen Konzepten werden unterschiedliche architektonische und künstlerische Strategien im Umgang mit Medienfassaden gezeigt. Thematisiert werden technische Mythen rund um die medienbespielte Gebäudehülle, aber auch deren praktische Aspekte wie LED-Technologie, Fassadendetaillösungen, Bespielungs- und Finanzierungskonzepte und ihr Energieverbrauch.
SAP Medienfassade in Berlin (2006)
Dem technischen Kern der Ausstellung gegenüber stehen Medienfassaden und -projekte, deren Inhalte von Künstlern gesteuert werden und die weitestgehend unabhängig von Form und Funktion des Gebäudes agieren. Ein bedeutendes Schlüsselprojekt in der kulturellen Entwicklung der Medienfassaden ist „Blinkenlights“, mit dem der „Chaos Computer Club“ 2003 temporär das Haus des Lehrers am Berliner Alexanderplatz mit interaktiven Botschaften aus der Bevölkerung bespielte. Jedes Fenster der strengen Rasterfassade wurde durch Hinterleuchtung zu einem Pixel in einem großen Gesamtbild.
Darüber hinaus zeigen Installationen, Prototypen und Videos künstlerische Ansätze und aktuelle Entwicklungen in Design und Technik von Medienarchitekturen. Dass Medienfassaden nicht nur als 2D-Bildschirme funktionieren, sondern auch zu dreidimensionalen Objekten werden können beweist besonders eindrucksvoll das Projekt “Daisyworld” von Thomas Nicolai.
Auf unterschiedlichsten Gebäuden lässt sich das künstliche Ökosystem installieren. Anhand der Natur nachempfundener Regeln errechnet eine Computersimulation das dynamische Wachstumsverhalten von zwei künstlichen Blumenpopulationen, die sich durch ihre blaue und orange Farbgebung unterscheiden. Aus einer auf die Fassade montierten Struktur „wachsen“ die pneumatische Blütenobjekte, die durch Sensoren gesteuert sind. Abhängig von Tageslicht und Wetter kann das Gebäude so schrittweise aufblühen oder verblühen.
Was, wann, wo
Urban Screenings auf Fassaden der Berliner Innenstadt, ab Einbruch der Dunkelheit.
17.Oktober - 03.November 2008
Empfänge bei allen Medienfassaden, 17.10.2008, ab 19 Uhr
Eröffnungsparty 18.10.2008, 20 Uhr, Collegium Hungaricum Berlin CHB
Neben der Ausstellung und Konferenz im DAZ werden als Hauptteil des Festivals vom 17. Oktober bis 03. November 2008 vier Medienfassaden und ein City Terminal in Berlin (SAP, Collegium Hungaricum, O2 World, „Nightscreen“ von Ströer Megaposter, Wall Terminal) mit künstlerischen Beiträgen und Interaktionen aus der Bevölkerung bespielt. Das Festival reflektiert einen weltweiten Trend zu großformatigen digitalen Bildelementen im öffentlichen Raum und erforscht deren Funktion als urbanes, kommunikatives Element. Ziel ist es, einen nachhaltigen Impuls für die zukünftige mediale Entwicklung im Stadtraum zu erzeugen und diese neue Infrastruktur für eine junge Kulturszene zu öffnen.
Weitere Informationen
Thomas Nicolais Website (”Daisyworld”)
Mehr zu den Urban Screenings
Website der mediafacade.net
Website des Deutschen Architektur Zentrum DAZ
Website der International Urban Screens Association (IUSA)
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